Die Gewinnergedichte des Lyrikwettbewerbes "Wandel"

Übersicht


1. Preis

Robby von der Espe

Gesteinigter Ginster

Beim alten Strand im Dünenmeer
schläft nebelwärts das Land
des Perlmuttwindes, der daher
trägt, was doch ohne Wiederkehr
einst in den Sand gebannt.

Dort, wo die Murmel gläsern traf
das weitgesteckte Ziel,
verwunschen liegt im Sediment,
was in uns fleht und uns getrennt,
der Liebe Kinderspiel.

Du trugst noch lang des Ginsters Staub,
gehaucht aus sanftem Mund
sowie im Haar den Sternentau,
er funkelte so flammenblau,
als ich fand in dir Grund.

Im Mondsteinhagel zogs uns weit
ins triste Nirgendwann,
des Frühlings Spielmann Zwielicht geigt,
wo Lebenslust Gewohnheit zeigt
und Liebe sterben kann.


2. Preis

Martin Hartjen

Der erste Herbststurm

Der Wind treibt wieder die Gespenster
mit seinem Fauchen durch die Nacht
und drängt so mächtig auf die Fenster,
dass er im Herzen klein mich macht.

Ich wollte tapfer Abschied nehmen,
natürlich muss der Sommer gehn.
Die große Zeit, das Jahr zu zähmen,
muss wieder mit dem Wind verwehn.

Doch raubt mir alle Jahre wieder
der erste Herbststurm meine Ruh,
denn er treibt Furcht durch meine Glieder
und schlägt des Sommers Fenster zu.


3. Preis

Angelica Seithe

Freilegen

Meine Gefühle für dich
zugeweht vom Sand

Manchmal scheint etwas durch
Farbige Bilder,
Mosaiken am Boden.
Der offene Tempel meernah, die Wege
pinienbegleitet, die wir gegangen
blind und versandet

Nur eine Flut
könnte hier helfen
die Farben am Boden
frei zu schwemmen
wie die gewaschene Luft
nach dem Gewitter und klar

Oder auf Knien
Meter für Meter mühevoll
bis die Freundlichkeit blank gewischt
wieder zu Herzen tritt


4. Preis

Hermann Knehr

Aufbruch

Es tagt, ein heller Silberstreif
zeigt sich am Horizont,
du bist erwacht, der Tag ist reif
und alles ist gekonnt.

Es kann und darf und will und muss
jetzt neu begonnen sein,
wie ein unendlich breiter Fluss
zieht es dich mit hinein.

Ganz Neues, Junges muss entstehen
nichts bleibt so wie es war
und Ausgedientes muss vergehen
wie ein verflossenes Jahr.

Ein jeder wartet auf den Sprung
das Neue wird bestehen,
du kannst es, schaffst es, du bist jung,
es wird dir nichts geschehen.


5. Platz

Gerard J. Duerschke

Leuchtturm

Jenseits von Zeit und dem Todesahnen
der Lockruf der Möwen in den Dünen
und der Griff nach den dünnen Halmen
Schauer im Licht des mächtigen Leuchtturms
Klippen auf dem Weg nach Montauk
Long Island - Point Lighthouse.

Das Leuchtfeuer vor der dunklen Nacht
von Mythen des Alltags dem entführten Mann
begrenzte Enthüllung in der Zeitkehre
Ingeborg Bachmann über die steilen Felsen
den Adler im Tiefflug unterspringend.

An der Speerspitze der langen Landmarke
die weiße Lust der grauen Melancholie
gerührt über die vielen traurigen Wörter
unter dem Leuchtturm Point Lighthouse
weht eine sehnsüchtig süßmilde Luft
und das kurze Leben der staubigen Lieder.

So alt wie George Washingtons Order
die Eingeschlossenen und Grenzgänger
auch Sonnensucher im Montauk State Park
die Verkehrung der sehnenden Geschlechter
im Abendrot der Highways Irrlichter
kein Licht mehr am Fuße des Leuchtturms
im rastlosen Zeitmeer des unendlichen Raums
nur das einsame Leuchtfeuer vor der Nacht.

 

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